Rechtliche Organisation eines Startups
02 Rechtliche Organisation in digitalen Projekten
Case
Drei Masterstudierende der Hochschule Luzern (HSLU) haben zusammen mit einer Professorin der HSLU während ihres Studiums eine vielversprechende Idee für ein digitales Startup entwickelt. Sie nennen ihr Projekt «AlpineGuard».

Die Gründer haben einen Prototyp für eine KI-gestützte Softwareplattform entwickelt. Die Software nutzt hochauflösende Satellitenbilder und Drohnendaten, um die Infrastruktur in den Schweizer Alpen zu analysieren, darunter Skilifte, Lawinenbarrieren, Wanderwege und Bergbahnen. Die KI erkennt Anzeichen von Verschleiss, struktureller Instabilität oder geologischen Risiken (wie Erdrutschen) viel schneller als aktuelle manuelle Inspektionen. Die Gründer planen, Abonnements für diese Datenplattform an Betreiber von Bergferienorten, kantonale Behörden und Tourismusverbände zu verkaufen (B2B-Modell).
Für die erste Startup-Phase wollen die Gründer nun ihr Projekt juristisch organisieren. Dabei stellen sich drei Phasen:
Entwicklungsphase (Phase 1): Die Gründer investieren ihre Zeit, ihr Know-how, ihr eigenes Geld sowie Mittel von Familie und Freunden. Das Projekt ist in dieser Phase defizitär.
Investorenphase (Phase 2): Die Gründer benötigen erste externe Investoren (z.B. Business Angels, Venture-Capital).
Go to Market (Phase 3): Die Gründer wollen mit ihrem Produkt in den Markt eintreten und Umsätze generieren.
Die Gründer entscheiden sich für die erste Phase für die Gründung eines Vereins im Sinne von Art. 60 ff. Zivilgesetzbuch (ZGB). Der Verein hat sein Domizil an der HSLU in Luzern. Die Gründer fragen sich, ob sie den Verein im Handelsregister registrieren müssen, und entscheiden sich für eine freiwillige Registrierung beim Handelsregisteramt des Kantons Luzern.
Der Rechtscoach des Startup-Förderprogramms Smart-up der HSLU empfiehlt den Gründern zudem, untereinander einen Partnervertrag abzuschliessen, um die Zusammenarbeit und die gegenseitigen Rechte und Pflichten zu regeln.
Aufgabe
Versetzen Sie sich in die Situation der Gründer von AlpineGuard. Bearbeiten Sie die folgenden Aufgaben unter Einsatz von KI-Werkzeugen (Chatbots). Dokumentieren Sie Ihre Lösungen sorgfältig.
Aufgabe 1: Wahl der Gesellschaftsform
Erörtern Sie, welche Gesellschaftsform für das Startup AlpineGuard in den drei genannten Phasen (Entwicklung, Investoren, Go to Market) jeweils adäquat ist. Begründen Sie Ihre Wahl unter Berücksichtigung folgender Aspekte:
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- Haftung der Gründer
- Kapitalerfordernisse
- Möglichkeit der Aufnahme von Investoren
- Flexibilität der Organisation
- Gründungskosten und Formalitäten
- Umwandlungsmöglichkeiten für spätere Phasen
Aufgabe 2: Vereinsstatuten
Erstellen Sie ausformulierte Statuten für den Verein «AlpineGuard». Die Statuten müssen den gesetzlichen Mindestanforderungen gemäss Art. 60 Abs. 2 ZGB entsprechen und sollen insbesondere folgende Punkte regeln:
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- Name und Sitz des Vereins
- Zweck des Vereins (angepasst an das Projekt AlpineGuard)
- Mitgliedschaft (Aufnahme, Austritt, Ausschluss)
- Organe des Vereins (Mitgliederversammlung, Vorstand)
- Finanzen (Mitgliederbeiträge, Vereinsvermögen)
- Vertretung und Zeichnungsberechtigung
- Auflösung und Liquidation
- Statutenänderung
Die Vereinsstatuten dürfen maximal 2 A4-Seiten umfassen und müssen für die Präsentation in der Form eines FDF erstellt werden.
Aufgabe 3: Handelsregisteranmeldung
Die Gründer entscheiden sich für eine freiwillige Eintragung des Vereins im Handelsregister. Klären Sie ab, welche Kosten für die freiwillige Eintragung des Vereins AlpineGuard im Handelsregister des Kantons Luzern gesamthaft anfallen. Erstellen Sie die Anmeldung zur Neueintragung beim Handelsregisteramt des Kantons Luzern. Finden Sie heraus, welche Angaben die Anmeldung enthalten muss. Erstellen Sie von der Anmeldung für die Präsentation ein PDF.
Aufgabe 4: Partnervertrag
Erläutern Sie kurz (ca. eine halbe A4-Seite), warum der Rechtscoach von Smart-up den Gründern den Abschluss eines Partnervertrags empfiehlt. Gehen Sie dabei insbesondere auf folgende Fragen ein: Warum reichen die Vereinsstatuten allein nicht aus? Was sind die typischen Risiken, wenn Gründer keinen Partnervertrag abschliessen? Welchen Mehrwert schafft ein Partnervertrag gegenüber bloss mündlichen Absprachen?
Identifizieren und begründen Sie die wesentlichen Regelungspunkte, die im konkreten Fall von AlpineGuard in einem Partnervertrag geregelt werden sollten ca. eine halbe A4-Seite).
Entwerfen Sie auf Grundlage Ihrer Überlegungen einen Partnervertrag für die Gründer von AlpineGuard.
Erstellen Sie mit der Begründung von Sinn und Zweck eines Partnervertrags, der sehr kurzen Begründung der wesentlichen Regelungspunkte sowie dem Partnervertrag selbst ein PDF von maximal 5 A4-Seiten.
Aufgabe 5: Erfahrungsbericht KI-Einsatz
Dokumentieren Sie kurz (ca. eine halbe bis eine A4-Seite), wie Sie bei der Bearbeitung dieser Case Study mit KI-Werkzeugen (Chatbots) gearbeitet haben. Gehen Sie dabei auf folgende Punkte ein:
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- Welche KI-Werkzeuge haben Sie eingesetzt und für welche Aufgaben?
- Wie sind Sie bei der Formulierung Ihrer Prompts (Anfragen an den Chatbot) vorgegangen?
- Wie haben Sie die Ergebnisse der KI überprüft und validiert?
- Wo war die KI besonders hilfreich, wo stiess sie an Grenzen?
- Welche Risiken und Herausforderungen sehen Sie beim Einsatz von KI in der juristischen Arbeit?
- Welche konkreten Tipps würden Sie anderen Studierenden für den Einsatz von KI bei ähnlichen Aufgaben geben?
