12.02 Wichtige Theorien der Ethik

12 Digital Ethics

Es gibt verschiedene Theorien der Ethik. Nachfolgend werden einige wichtige Theorien erläutert, die m.E. insbesondere zur Lösung von Dilemmas in der digitalen Welt dienlich sein können.

Deontologie

Die Deontologie («deon» griechisch für Pflicht) fokussiert sich auf die Handlung selbst. Entscheidend, ob eine Handlung moralisch richtig oder falsch ist, ist nicht deren Folge bzw. Konsequenz, sondern alleine das Motiv bzw. die Absicht des Handelnden.

Ein wichtiger Vertreter der Deontologie ist Immanuel Kant (1724 – 1804). Kant vertrat den kategorischen Imperativ: «Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde». Er verlangt, eine Handlung darauf zu prüfen, ob sie auch dann erstrebenswert ist, wenn jeder jederzeit und ohne Ausnahme so handeln würde.

Im Sinne der Deontologie ist z.B. eine Lüge in keinem Fall moralisch richtig.

Konsequentialismus – Utilitarismus

Der Konsequentialismus fokussiert sich auf die Folgen einer Handlung. Der moralische Wert einer Handlung ergibt sich aus deren Konsequenzen. Sind die Folgen einer Handlung moralisch wünschenswert, so gilt dies auch für die Handlung selbst. Oder verkürzt: der Zweck heiligt die Mittel. Dabei müssen die positiven Folgen einer Handlung insgesamt überwiegen. Gibt es mehrere Handlungsalternativen, die zum gleichen Ziel führen, ist diejenige Handlung moralisch richtig, deren Folgen mindestens so gut sind wie die Folgen jeder anderen Handlung, die man an ihrer Stelle ausführen könnte.

Teil des Konsequentialismus ist der Utilitarismus. Im Utilitarismus ist eine Handlung dann moralisch richtig, wenn sie den Nutzen («utilitas» lat. für Nutzen, Vorteil) bzw. wenn sie die Summe des Wohlergehens aller Betroffenen, maximiert. Diese Art der Moral kann jedoch mit dem Schutz des Individuums kollidieren (s. insb. Grundrechte, Art. 7 ff. schweizerische Bundesverfassung, BV).

Tugendethik

Die Tugendethik fokussiert sich auf die Handelnden. Moralisch richtiges Handeln ergibt sich aus der Einstellung des Handelnden und dessen persönlicher Haltung, dessen inneren Neigung. Die Fähigkeit, etwas Gutes aufgrund der inneren Neigung zu tun, bezeichnet man als Tugend. Zu den Tugenden gehören insbesondere Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mässigung. Ziel der Tugendethik ist die Entwicklung einer bestimmten Lebenshaltung und einer menschlich vortrefflichen Persönlichkeit, sodass man in entsprechenden Situationen moralisch angemessen handelt.

Ein wichtiger Vertreter der Tugendethik ist Aristoteles (384 – 322 v. Chr.): «Lobenswerte Eigenschaften nennen wir Tugenden».

Kontraktualismus

Der Kontraktualismus (Vertragstheorie) fokussiert sich auf die Willensübereinstimmung. Moralisch richtige Handlungen sind solche, die nicht gegen die impliziten und expliziten Vereinbarungen verstossen, die wir als Menschen in Gemeinschaft miteinander getroffen haben.

Ein wichtiger Vertreter des Kontraktualismus ist Thomas Hobbes (1588 – 1679).

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